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Potsdam: Tradition ist scheißegal – Hauptsache Weihnachtsmarkt!

Ein Kommentar:

In Rostock öffnet morgen der Weihnachtsmarkt, in Potsdam auch. In Potsdam hat es Diskussionen um die Öffnung vor dem Totensonntag gegeben. In Rostock nicht. Laut DRadio Kultur hat die Stadt Potsdam nun begründet, warum der Markt schon vorher geöffnet wird: “Wegen christlicher Traditionen könne man einem Markt nicht die Genehmigung entziehen.” Ah ja.
Weihnachten hat ja auch so gar nix mit christlicher Tradition zu tun. Den Weihnachtsmarkt gibt es ja nur, weil das Fest vom 24. bis 26.12. von fahrendem Volk, Imbissbudenbetreibern, Marktschreiern und der Tand-Industrie auf einer Sitzung in einer ranzigen Autobahnraststätte erfunden wurde, um am Jahresende mit dem übriggebliebenen Krempel des Jahres wenigstens 4 Wochen an einem Ort sein zu können und dort Menschen in rauschartige, geldwerte Zustände dank Glühwein, Karussellrunden und Einkaufsstress zu versetzen.
Das der Totensonntag vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. eingeführt wurde, um Verstorbenen und Gefallenen zu Gedenken und Besinnung zu finden, weiß man in Potsdam – welch bittere Ironie der Geschichte – offenbar auch nicht.
Aber so ist das in Potsdam eben, wenn man nicht nachdenken kann, weil die Eurozeichen in den fiebrigen Augen den Blick verstellen und die ohne Glühwein zittrige Hand die Genehmigung für den Markt unterschreibt. In Rostock ist die pietätlose und geschichtsvergessene Öffnung des Weihnachtsmarktes vor dem Totensonntag wenigstens egal. Da lässt sich dann auch keiner zu einer solch dümmstmöglichen Äußerung wie in Potsdam hinreißen.

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